Warum ein guter Künstler kostet, was er kostet...!

Nachdem sich auch in der Welt der Kunst seit einigen Jahren vieles nur mehr über den Preis zu definieren scheint, und sich damit eine tödliche Abwärtsspirale in Gang gesetzt hat, möchte ich hier einige Gedanken zu diesem Thema festhalten.

Viele Menschen, die mit dem Künstlerberuf nichts zu tun haben, verstehen oftmals die Gagengestaltung eines professionellen Künstlers nicht.
Da wird von "horrenden Preisen für eine Stunde Programm" gesprochen, noch dazu wo man dann "bei tollen Events dabei ist und auch noch kostenlos essen und trinken kann".
Das mag von Außen betrachtet zutreffen, stimmt so aber natürlich überhaupt nicht.
So schön und toll der Künstlerberuf nach außen auch wirkt, so sehr ist er doch ein knochenharter Job - sofern man ihn gewissenhaft ausübt.
Weiters wird dann oft mit Stundensätzen anderer Berufsgruppen verglichen - der nächste Fehler...!
Prinzipiell gilt - wie bei allen Bereichen der Wirtschaft: Was nichts kostet ist nichts wert!
Wer billig kauft, kauft meistens teuer! Denn wenn etwas billig ist, dann hat das auch seinen Grund!
Gute und wertige Qualität kann nie billig sein! Preiswert ja...denn das heißt ja nichts anderes, als das etwas seinen Preis wert ist!

Woraus setzt sich so eine Künstler-Gage eigentlich zusammen?

1.) Aus dem Talent

Zuallererst muss man einmal Talent haben...das hat man oder man hat es nicht.
Wenn jemand außerordentlich talentiert ist und etwas kann, was viele andere nicht können, so kann man das schon einmal schwer in Zahlen fassen.
Was darf und kann man für dieses Talent an Gage verlangen? Ist so etwas überhaupt bezahlbar? Und wer setzt den Wert fest?

2.) Aus der Ausbildung/Weiterbildung/Entwicklung und dem Proben

Talent alleine genügt in dieser Branche schon lange nicht mehr!
Das Talent muss ausgebildet und weiterentwickelt werden. Schule, Privatunterricht, Proben...all das kostet viel Zeit und Geld.
Ähnlich einem Arzt, der auch erst studiert, bevor er auf die Menschheit "losgelassen" wird...!

3.) Aus der Erfahrung

Besitzt ein Künstler die nötige Reife, um sein Publikum unterhalten zu können, so entwickelt er sich im Laufe der Jahre natürlich auch hier immer weiter. Misserfolge, Rückschläge, finanzielle Einbußen und andere unangenehme Erfahrungen gehören hier dazu und helfen einem Profi zu einem Routinier zu werden. Auf diese Art und Weise erarbeitet sich der Künstler einen Bekanntheitsgrad und einen Marktwert.

4.) Aus der Vorarbeit

Ein Auftritt besteht nie nur aus dem Auftritt selbst!
Eine Show muss erst einmal geschrieben bzw. zusammengestellt sein - und natürlich einstudiert und x-mal geprobt!
Da gehen oft hunderte Stunden ins Land...das ist vielen Außenstehenden nicht bewusst!

5.) Aus dem Equipment

Oftmals benötigen Künstler ihr eigenes Equipment (Licht- und Tontechnik) - auch das muss angeschafft, gewartet und ständig erneuert und den neuen technischen Anforderungen angepasst werden. Das kostet viel Zeit und Geld!

6.) Aus der Auftritts-Leistung selbst

Und das ist nicht nur der Auftritt alleine!
Hier muss Stunden vorher das Equipment zusammengestellt, verladen und zum Auftrittsort transportiert werden.
Der Aufbau muss fast immer vor dem Eintreffen der Gäste fertig sein.
Dann hat der Künstler oft stundenlange Wartezeiten bis zu seinem Auftritt in Kauf zu nehmen...muss aber voll motiviert und "auf Spannung" bleiben bis zu seiner Show!
Der Auftritt selbst ist für einen Künstler (wenn er seinen Beruf mit Liebe ausübt) immer wieder ein tolles Erlebnis.
Aber er ist auch sehr anstrengend, kräfteraubend, geistig herausfordernd (Konzentration von der ersten bis zur letzten Sekunde!) und schweißtreibend!
Kurz nach der Show sind viele Künstler in einer Art "Adrenalin-High", das nach einer geraumen Zeit einer bleiernen Müdigkeit weicht.
Ein guter Künstler gibt auf der Bühne immer 100% - oder versucht es zumindest!
Nach der Show muss das Equipment natürlich wieder abgebaut, heimtransportiert und verstaut werden - oftmals mitten in der Nacht.
Somit ist eine "Ein Stunden-Show" oftmals mit bis zu 10 Stunden Arbeit verbunden!

Ach ja...und krank sein darf ein Künstler natürlich auch nicht!
Oftmals wird ein Auftritt mit Schmerzmitteln oder Erkältungsmedikamenten "gedopt" durchgeführt, denn "The Show must go on"!


Wenn Sie all diese Aspekte berücksichtigen (und das waren bei weitem nicht alle, denn viele Aus- bzw. Abgaben wie Steuer, Sozial- und andere Versicherungen, AKM, Lustbarkeitsabgabe usw. gilt es natürlich auch zu begleichen), dann werden Sie vielleicht ein bisschen besser verstehen, warum ein guter Künstler kostet, was er kostet.
Und bevor Sie in Zukunft einen billigen "Künstler" engagieren, überlegen Sie vielleicht noch einmal, ob Sie nicht andernorts ein paar Euro einsparen können! Denn ist es nicht schade, einen schönen Event mit einer minderwertigen künstlerischen Leistung kaputt zu machen?
Das ist genau so, als würden Sie Ihren Gästen zu einem exquisiten Menü den billigsten Sauerampfer-Wein servieren.

In diesem Sinne: Ein wirklich guter Künstler muss nicht teuer sein - aber eben auch nicht billig!